Accords nouveaux

François-Pierre Goy & Andreas Schlegel

Der Ausbund und andere täuferische Lieder – ein Überblick

Der Ausbund ist ein Liederbuch der Täufer (auch Wiedertäufer genannt, mit den drei grossen Untergruppen Amische, Hutterer und Mennoniten), dessen ältestes erhaltene Exemplar von 1564 stammt und Liedgut enthält, das ab 1525 entstanden ist.

Wie komme ich als Lautenist dazu, mich für dieses Liederbuch zu interessieren?

Der Grund liegt darin, dass der Benzenauer als Tonangabe in drei Liedern der Ausbund-Ausgabe von 1583 vorkommt und bis in die neuste Auflage dieses Liederbuchs präsent ist:

  • Lied 12 (1583 auf S. 81 / heute S. 66): O Herr, dich wil ich loben, der du dein glidern all (13 Strophen / 8 Zeilen pro Strophe)
  • Lied 19 (S. 114 / heute 115): Groß sind die werck des Herren, im Himmel vnd auff erdt (13/8)
  • Lied 34 (S. 200 / heute 201): Den Vatter wolln wir loben, der vns erloeset hat (11/8)

Der Ausbund, der noch heute bei den Amischen in Gebrauch ist, gilt als die älteste deutschsprachige Sammlung geistlicher Lieder, die ohne Unterbruch in einer christlichen Kirche benutzt wird.[1]

Deshalb gilt es zuerst, den Ausbund von der heutigen Stammausgabe her anzuschauen. Die aktuelle 69. bekannte Auflage stammt von 2024 und ist nach wie vor in Fraktur gedruckt. Die Texte der 140 im amerikanischen Ausbund versammelten Lieder (im europäischen Ausbund sind es bis 137) sind seit der ersten in Amerika gedruckten Edition (Germantown, Christoph Sauer, 1742) bis heute immer auf 812 Seiten im 8°-Format abgedruckt. Deshalb geben spätere Liederbücher, welche auf den Ausbund verweisen, normalerweise nicht die Liednummer, sondern die Seite mit dem Textbeginn an.[2] Weil eine lange Tradition vorliegt, sind kleinste Abweichungen innerhalb der Titelseite gerade bei den nicht datierten Ausgaben für die Zuordnung zu einer bestimmten Auflage bedeutsam. Dies ist der Grund, weshalb in dieser Einführung alle Titel grundsätzlich in einer Schrift dargestellt werden, welche auch ältere Typographie, z.B. Umlaute, in der damals gedruckten Form darstellen kann. Zeilenwechsel werden in den Umschriften durch zwei senkrechte Striche dargestellt: ||

Die in Amischen Gemeinden verwendeten Gesangbücher sind primär:

  • Ausbund (mit den erläuternden "Songs of the Ausbund" und dem "Nota Buch")
  • Liedersammlung = "kleines Liederbuch" [oder "das dünne Büchli"] 
  • "Gingerich" (Liedersammlung G)

Im Detail:

1. Ausbund, aktuelle Ausgabe

Ausbund || das ist: || Etlich schöne || Christliche Lieder, || wie sie in dem Gefängnis zu Passau in dem || Schloß von den Schweizer=Brüdern und || von anderen rechtgläubigen Christen || hin und her gedichtet worden. ||
Allen und jeden Christen, || Welcher Religion sie seien, unpartheiisch sehr || nützlich. ||
Nebst einem Anhang von sechs Liedern. ||
69 Bekannte Auflage ||
Verlag von den Amischen Gemeinden || in Lancaster County, Pa. || 2004

Diese Ausgabe hat folgende Teile:

iii-vi: Vorrede
1-812 140 Lieder (Texte, oft mit historischer Angabe und immer mit Melodieangabe zu Beginn)
813-818 Register || Ueber die Gesänge dieses Buchs. (alphabetisch mit Seitenangabe)
819-822 Ein Register || Solcher Lieder, die auf einerley Melodie || können gesungen werden. (21 nummerierte Listen, nach Auftreten im Ausbund sortiert)
823-831 Confessio, || Oder Bekenntnitz. [!]
831-835 Defensiones oppositionum, || oder || Ablehnung der Gegen-Würfen. (von Thomas von Imbroich)
837-865 Ein || Wahrhaftiger Bericht || von den || Brüdern im Schweitzerland, || in dem Zürcher Gebiet. || Wegen der Trübsalen, || Welche über sie ergangen sind, um des || Evangeliums willen. || Von den 1635sten bis in das 1645ste Jahr.
867-895 Sechs schöne || Geistliche Lieder. ||
Das erste. || Tobias war ein frommer Mann. ||
Das andere. || Kürtzlich vor wenig Tagen. ||
Das dritte. || Es ist ein wunderschöne Gab. ||
Das vierte. || Mein fröhlich Hertz das treibt mich an. ||
Das fünfte. || Es war ein gottesfürchtiges und christliches || Jungfräulein. ||
Das sechste. || O Herr thu auf die Lefzen mein.

Der amerikanische Ausbund umfasst 140 Lieder sowie sechs weitere Lieder im Anhang. Das 140. Lied ist das "Haslibacher Lied", eine 32-strophige Ballade über Hans Haslibacher aus Sumiswald, den letzten Täufer, der 1571 im Kanton Bern ermordet wurde.

2. Songs of the Ausbund

Songs || of the || Ausbund || Volume I || History and Translations of Ausbund Hymns || Older Amish Library, Inc.
Songs || of the || Ausbund || Volume II || History and Translations of Ausbund Hymns || Older Amish Library, Inc.

Diese Sammlung stellt für heutige Amische die wichtigsten historischen Informationen, eine englische, nicht singbare Übersetzung der Liedtexte sowie eine Übersetzung des "Wahrhaftigen Berichts" und der sechs angehängten Lieder zur Verfügung.

3. Nota Buch

Ausbund || & || Lieder || Sammlung || Songs || [Achtelnote] || with shaped notes

In diesem kleinformatigen Ringbüchein werden die 69 Melodien in einer eigenen Notation ohne Notenschlüssel, dafür mit sieben unterschiedlichen Notenkopf-Formen für die sieben Solmisationssilben aufgezeichnet. Das Do hat eine Pyramidenform (siehe 2. Ton im Beispiel); Mi ist ein Rhombus und das Fa ein Dreieck mit dem rechten Winkel oben rechts (siehe Silbe "ihr" in der 1. Zeile, 3. Ton). Somit ist die Lage der Halbtonschritte geklärt (Mi-Fa und Ti-Do).
Die Gedichtzeilen entsprechen immer einer Melodiezeile, wobei gleiche Melodieabschnitte mit der gleichen Zahl versehen sind. Somit kann eine musikalische Zeilenfolge zum Beispiel 1212132 lauten, aber der Liedtext geht die sieben Textzeilen der Reihe nach durch (siehe Beispiel von S. 10-11).

Ausbund Songs 10 11

Bei einem Lied ist eine weitere textierte Melodiezeile angehängt. Dies ermöglicht das Nutzen dieser Melodie, die eigentlich für 4-zeilige Gedichte ausgelegt ist, für ein 5-zeiliges Gedicht.

Wenn andere Lieder auf dieselbe "Weisz" (Melodie) gesungen werden, ist dies nach der Melodieaufzeichnung vermerkt und die Reihenfolge der für den anderen Text zu singenden Melodiezeilen bei "Verteilt" angegeben. Somit können in unserem Beispiel statt der 7-zeiligen Gedichte eben auch Gedichte mit 12 Zeilen mit den vorliegenden unterschiedlichen Liedzeilen – in unserem Beispiel nur drei! – gesungen werden.

Auch optionale Melodieführungen sind am Schluss ergänzt.

Das Register ist nach der Seitenzahl im Ausbund sortiert. Die zweite Spalte gibt die Seitenzahl im Nota Buch an, dann folgt die Melodienummer. Diese Melodienummer bezeichnet keine "Einheitsmelodie", sondern umfassen im Nota Buch verschiedene Melodien, die mit demselben Versbau funktionieren.

Die Tonangabe (Weisz Name) ist gekürzt angegeben.

Danach folgen die Verweise auf die beiden anderen heute verwendeten Gesangbücher mit ihren Kurzbezeichnungen: Liedersammlung und Gingerich.

4. Liedersammlung = "kleines Liederbuch" [oder "das dünne Büchli"] 

Eine unparteiische || Lieder=Sammlung || zum || Gebrauch || beim || Oeffentlichen Gottesdienst || und der || Häuslichen Erbauung. || [QL] || Redet mit einander in Psalmen und Lobgesängen || und geistlichen Liedern, singet und spielet dem || Herrn in euren Herzen. Eph. 5,19. || [QL] || Lancaster, Pa.: || Gedruckt für den Verleger von Johann Bärs Söhnen. || 1860. || [QL] || Neue Auflage, mit früheren Texten vereint. || 2023. || [QL] || Pathway Publishers || Aylmer, Ontario, Canada || Bloomingdale, Michigan, USA

1860 Lancaster 1. Aufl

Dieses Gesangbuch wurde 1860 geschaffen und umfasst "nur" eine kurze Vorrede, 328 Seiten Liedtexte, Sach-, Schrifttext-, Melodien- und alphabetisches Register.
Es umfasst 153 Lieder, wobei 50 aus dem Ausbund stammen.

5. Gingerich (Liedersammlung G)

Unparteiische || Liedersammlung || zum Gebrauch beim || Oeffentlichen Gottesdienst || und zur || Häuslichen Erbauung. || "Redet untereinander in Psalmen und Lob=|| gesängen und geistlichen Liedern, singet || und spielet dem Herrn in euren || Herzen. Eph. 5, 19. || Pathway Publishers || Alymer [!], Ontario, Canada

Dies ist ein 1892 erstmals erschienenes Liederbuch, das entstand, weil "in vielen Gemeinden zwei bis drei verschiedene Gesangbücher in Gebrauch" waren (Ausbund, das hier nicht näher vorgestellte Unparteiische Gesangbuch von 1804 und die Liedersammlung) und der Wunsch nach einem einzigen Buch aufkam. Bei der Zusammenstellung wurde vor allem die alten Dichtungen aus dem Ausbund begradigt, um die Anzahl Silben korrekt zur Melodie platzieren zu können.

1892 Elkhart revidiert und vermehrt 

1. Auflage der manchmal auch "Guengerich ed." genannten, vergrößerten Sammlung mit 300 Liedern.
In der 2. Auflage dieser Reihe kam ein Anhang von 9 Lieder am Ende dazu und schon in der 3. Auflage von 1916 waren es 17 Lieder am Ende – wie heute.  

Diese kurze Darstellung zeigt, dass auch bei den Amischen neues Liedgut eingeflossen ist und zu neuen Büchern geführt hat. Der Ausbund ist also das Ursprungsbuch, aber nicht das einzige verwendete Gesangbuch.

 

Die Geschichte des Ausbunds von Anfang an

Der europäische Ausbund umfasst nur 137 Lieder. Und somit kommen wir zum Ursprung des Ausbunds und dem Beginn der Täuferbewegung, die offiziell mit der Taufe von Jörg Blaurock vom 21. Januar 1525 beginnt.

Die Täufer wurden im 16. und 17. Jahrhundert in katholischen, lutherischen und reformierten Gebieten verfolgt: Wohl 2'000 Anabaptisten wurden hingerichtet und Tausende des Landes verwiesen oder als Galeerensklaven verkauft (was meist mit dem Tod während der Galeerenstrafe endete). Entsprechend wurden die täuferischen Bücher bei der Festnahme konfisziert und fast immer vernichtet. Somit haben sich nur wenige Exemplare der Gesangbücher aus der Frühzeit – also vor den Auswanderungswellen in Richtung Amerika ab dem späten 17. Jahrhundert und dem ersten in Amerika 1742 erfolgten Druck – erhalten. In Europa sind von 1564 bis 1838 gesamthaft 11 Editionen bekannt, wobei im 16. und 17. Jahrhundert wegen der Verfolgung weder der Druckort noch der Drucker und nur selten das Druckjahr angegeben ist.

Weil die älteste Ausgabe von 1564 erst 1928 wieder aufgetaucht ist[3], stand sie für die noch heute grundlegende Studie von Rudolf Wolkan, Die Lieder der Wiedertäufer. Ein Beitrag zur deutschen und niederländischen Litteratur- und Kirchengeschichte, Berlin 1903, noch nicht zur Verfügung.

Aufgrund der komplexen Entstehungsgeschichte und der vor dem Fund des Liederbuchs von 1564 entstand Buch Wolkans ist ein verwirrliches Bezeichnungssystem der verschiedenen Bücher und Teile von Büchern entstanden, dem hier mit einem neutraleren System begegnet werden soll.

Die folgende Tabelle fasst zusammen, was im weiteren Text ausführlicher dargelegt wird.

Quellen zum Ausbund und Liederbücher, die mit dem Ausbund verbunden sind
Links Bestand Schweiz
Ausbund Gesenge   Ein schon gesangbüchlein Veelderhande Liedekens https://www.dbnl.org/tekst/_vee002veel00_01/
1552-54 Liedekens 1552-54
209 Lieder
https://www.dbnl.org/titels/titel.php?id=_vee003veel01
1558 Liedekens 1558
217 Lieder
https://www.dbnl.org/titels/titel.php?id=_vee006veel01
1562-65 Schon 1562-5
123 Lieder
D-TRs https://www.dilibri.de/stbtrdfg/content/titleinfo/831025?query=schon%20gesangb%C3%BCchlein
1564 Gesenge 1564
51 Lieder
US-GO Faksimile
1566 Liedekens 1566
NN Lieder
https://www.dbnl.org/titels/titel.php?id=_vee003veel03
1569 nach Schon 1569 nach
133 Lieder
RUS-Mrg – https://stabikat.de/Record/497753618
1582 Liedekens 1582
NN Lieder
https://www.dbnl.org/titels/titel.php?id=_vee002veel03
1583 Außbund 1583 I
78 Lieder
Gesenge 1583 II
51 Lieder
D-Mbs https://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb10207712-6 Zürich, ZB, Alte Drucke und Rara, Res 1033
1584-1583 Gesang Buch 1584 I
79 Lieder
Gesenge 1583 II
51 Lieder
GB-Lbl  https://catalogue.bl.uk/permalink/44BL_MAIN/n6kovr/alma990184042770109251
https://books.google.ch/books?id=KdVFeMASfGQC&pg=PP1&redir_esc=y#v=onepage&q&f=false
1588 nach Schon 1588 nach
141 Lieder
RUS-Mrg - https://stabikat.de/Record/371848415
1593 Liedekens 1593
NN Lieder
1622 Auss Bundt 1622 I
80 Lieder
Gesänge 1622 II
53 Lieder
CH-SOz https://www.e-rara.ch/doi/10.3931/e-rara-99672
US-GO (2 Ex.)
16--:2 Auß Bundt 16--:2 I
79 Lieder
Gesänge 16--:2 II
55 Lieder
CH-MENschlegel; Link folgt
US-GO (2 Ex,)
CH-MENschlegel
1700 Liedekens 1700
NN Lieder
https://www.dbnl.org/titels/titel.php?id=_vee010veel01
Bern, UB Münstergasse, MUE H X 190 e; 12 ungezählte Seiten, 796 Seiten, 6 ungezählte Seiten, 1 ungezähltes Blatt; 18 cm (8°)
Bern, UB Münstergasse, MUE H X 190 c;  12 ungezählte Seiten, 796 Seiten, 6 ungezählte Seiten, 1 ungezähltes Blatt; 18 cm (8°)
Bern, UB Münstergasse, MUE H X 190 a (Titelblatt fehlt und p. 3/4); 12 ungezählte Seiten, 796 Seiten, 6 ungezählte Seiten, 1 ungezähltes Blatt; 18 cm (8°)
kompletter Ausbund
Europa Amerika
1742 1; Germantown, Gedruckt bey Christoph Sauer
1751 2; Germanton [!], Gedruckt bey Christoph Sauer Zürich, ZB, Alte Drucke und Rara, Res 1036
1767 3; Germantown, Gedruckt bey Christoph Sauer
kanonisiert:
17679 4;  Germantaun Zürich, ZB, Alte Drucke und Rara, Res 1199
1809 Basel, von Mechel
[16], 672. S,
137 Lieder
1815 5; Lancaster Ehrenfried https://babel.hathitrust.org/cgi/pt?id=hvd.ah69g6&seq=5 Zürich, ZB, Alte Drucke und Rara, Res 1223
1817 o.O.,
[12], 796, [42] S.,
137 Lieder
1834 6;
1838 Basel, von Mechel
[16], 672 S.,
137 Lieder
1846 7;
1856 7 [!]; 
1868 8;
1880 9;
1880 9 [!]; 
1905 10; Lancaster, Pa., Gedruckt und zu haben bey Johann Bär's Söhnen Zürich, ZB, Alte Drucke und Rara, Res 1039' 1
1905 10; Lancaster, Pa., Gedruckt und zu haben bey Johann Bär's Söhnen (ohne S. 813-850)
1908 10 [!]; 
1913 11;
1922 12;
1935 13;
1941 13 [!];
1949 13 [!];
1952 13 [!];

Das Buch, das heute mit "Ausbund" bezeichnet wird, enthält in Wahrheit zwei Bücher, welche erst im 17. Jahrhundert zu einem einzigen Buch verschmolzen sind:

Das Buch von 1564 heisst in meiner Liste "Geseng 1564":
Etliche schœne || Christliche Geseng/ wie sie || in der Gefengniß zu Passaw im || Schloß von den Schweitzer Br•dern || durch Gottes gnad geticht und gesun=|| gen worden.
Es enthält 52 Lieder.

In der Ausgabe von 1583 sind dann zwei Bücher vereint. Zuerst eingebunden und separat paginiert ist:
Außbund || Etlicher schöner || Christlicher Geseng/ wie die || in der Gefengnuß zu Passaw im || Schloss von den Schweitzern/ und || auch von andern rechtgläubigen || Christen hin und her ge=|| dicht worden. ||
Allen und jeden Christen/ || welcher Religion sie auch seien/ unpar-|| teilich und fast nützlich || zu brauchen.
Darin sind 78 Lieder enthalten.

Das anschliessend folgende Buch heisst:

ETLICHE SEHR SCHONE || Christliche Gesenge/ wie dieselbigen zu || Passaw/ von den Schweitzerbrüdern/ in der || Gefengnuß im Schloß/ durch Gottes || gnad gedicht und gesungen || worden.
Es enthält 51 Lieder. Dieses zweite Buch entspricht dem Buch von 1564 (mit einigen Abweichungen).

Im einzigen erhaltenen Buch von 1583 (D-Mbs Res/P.o.germ. 59 m) ist hinten ein Register eingebunden, das mit 1584 datiert ist und gegenüber den Registern zu den beiden Büchern von 1583 kleine Unterschiede aufweist:

 

Vom Buch von 1584 ist ein Exemplar bekannt (GB-Lbl 1221.a.21.), das wie das Buch von 1583 zuerst den Ausbund mit 79 Liedern und danach die Gesenge mit 53 Liedern enthält.

In der Edition von 1622 (CH-SOz Rar 981; Goshen Signatur?) sind die beiden Bücher wie in der vorherigen Anordnung abgedruckt (Ausbund mit 80, Gesenge mit 53 Liedern), wiederum mit einer separaten Seitenzählung und noch mit je eigenen Titelblättern.

In der Edition, die in Goshen 16--:2 genannt wird (also mutmasslich die zweite Edition des 17. Jahrhunderts), liegt dieselbe Anordnung der beiden Bücher vor wie in der Ausgabe von 1622, aber zum ersten Mal geht hier die Seitenzählung durch und ist das Titelblatt der Gesenge auf ein halbes Blatt geschrumpft, auf dessen unterer Hälfte gleich das erste Lied folgt. Somit könnte man sagen, dass mit dieser Ausgabe die beiden Bücher zu einem Buch – dem "kompletten" Ausbund – verschmolzen werden.

 

 

[1] Die an diversen Orten gemachte Aussage, wonach der Ausbund die älteste Sammlung geistlicher Lieder generell sei, die ohne Unterbruch in einer christlichen Kirche benutzt wird, stimmt nicht ganz, weil diverse Klostergemeinschaften noch heute lateinische Gradualien und Antiphonarien benutzen, die in ihrem Grundbestand weit älter sind.

[2] Je nach Ausführung kommt dann Register, die Confessio und Defensiones von Thomas von Imbroich, "Ein wahrhaftiger Bericht von den Brüdern im Schweitzerland, in dem Zürcher Gebiet" mit Martyrerberichten von 1635-1645 sowie "Sechs schöne Geistliche Lieder" dazu – die Paginierung je nach Ausgabe separat oder fortlaufend gezählt, so dass der heutige Ausbund ab den Liedern 895 bedruckte Seiten – und mit Titelblatt und Vorrede 901 bedruckte Seiten – umfasst.

[3] Er wurde von Harold S. Bender bei einem Antiquar in Harrisburg, Pa. gefunden und befindet sich heute in Goshen in der Mennonite Historical Library des Goshen College.