Katalog aller französischer musikalischer Quellen von 1570-1643
Dieser Katalog wurde erstellt, um einen Überblick über die vorhandenen Quellen mit Repertoire, das für die Jahre der Regentschaften von Henry IV. (1589-1611) und Louis XIII. (1611-1643) von Bedeutung war, zu ermöglichen.
Das Kernproblem der Übersicht über alle musikalischen Quellen einer Zeit lliegt darin, dass viele Quellen gar nicht als musikalische Quelle erkannt werden oder von Katalogen wie RISM nicht oder nur am Rande erfasst sind. Die bekanntesten kaum dargestellte Bereiche sind die schriftlosen Praktiken sowie die Gesangbücher, die zum Teil via RISM erfasst, aber nicht in RISM.online integriert sind (DKL). Die Gleichung, dass alles, was musikalische Notation beinhaltet, von RISM erfasst ist, trifft also nicht zu. Weil das Lesen von Noten nochmals eine Stufe komplexer ist als das Lesen von Text, ist die Oralität bis heute viel wichtiger als allgemein bedacht. Dies betrifft vor allem die beiden Bereiche, in denen die Texte die Hauptsache sind und die Melodie primär die Trägerfunktion erfüllt.
Die folgende Darstellung soll aufzeigen, welche Quellenarten aufgrund von Katalogwerken normalerweise im Bewusstsein von Musiker*innen präsent sind (grün), welche Quellenarten fast nur Spezialisten bekannt sind (gelb) und welche bisher weitgehend ignoriert werden (orange):

Unter Spezialkataloge sind Bibliothekskataloge, spezifische Repertoirekataloge bzw. Komponisten-Werkverzeichnisse zu verstehen. Diese ergänzen oft die allenfalls bestehenden RISM-Einträge. Bei Manuskripten ist zu beachten, dass RISM ein work in progress ist (deshalb gelb markiert) und sehr viele Manuskripte noch nicht erfasst sind – dies im Gegensatz zu den Drucken, bei denen RISM alle erhaltenen Titel mit Ausnahme der Gesangbücher verzeichnet haben sollte (deshalb grün dargestellt).
Das PDF kann hier heruntergeladen werden.
Im Katalog wurden möglichst systematisch alle Drucke aus dem Zeitraum von 1570 bis 1643 und alle Handschriften mit französischem Repertoire von ca. 1570 bis zum Ausklang der Rezeption des Repertoires erfasst.
Die Übersicht kann hier als PDF heruntergeladen werden.
Drucke:
- Adrian Le Roy & Robert Ballard (Druckerei tätig von 1551 bis 1598) [1] sowie von
- Lucrèce Dugué, Witwe von Robert I Ballard, zusammen mit ihrem Sohn Pierre I Ballard (1599 bis Mai 1606),
- Pierre I Ballard (Mai 1606 bis 1639) und
- Robert III Ballard (1639 bis 1673),[2] dann
- Lyoner Drucke[3] und zuletzt
- französische Psalmausgaben (BPIVF), welche gedruckte Noten enthalten.[4]
- Drucke aus weiteren Provenienzen.
Bei den reinen Gesangbüchern besteht das Problem darin, dass diese nicht in der RISM-Datenbank erscheinen. Dies gilt auch für Melodien, die in Liedflugschriften und anderen Publikationen (auch Psalmbücher ohne Noten) vorausgesetzt werden, aber wenn überhaupt, dann nur mit einer Melodieangabe erscheinen. Somit mischen sich die Arten der Kataloge: Die Druckerkataloge gehen vom bestehenden Buch aus, während der Psalmdruck-Katalog BPIVF vom Inhalt her ausgeht und auch Bücher erfasst, die nur wenige Psalmen enthalten.
In der Datenbank werden die Drucke, welche Psalmen enthalten, entsprechend markiert.
Handschriften:
Hier durfte ich eine Arbeit von François.Pierre Goy nutzen. Dafür möchte ich mich bei ihm an dieser Stelle herzlich bedanken!
Ich habe die Links und Aufbewahrungsorte auf den aktuellen Stand gebracht und wünsche, dass Nutzerinen und Nutzer helfen, diese Liste vollständig und aktuell zu halten. Herzlichen Dank!
Die Aufschaltung des Katalogs wird im Laufe von 2026 erfolgen. Korrekturen und Ergänzungen sind willkommen!
Hier einige PDF:
Alle Quellen, sortiert nach Jahr, Sigel
Drucke, sortiert nach Kategorie:
Es wurde eine Kategorisierung angewandt, welche auf Laurent Guillos Kategorien aus dessen Katalog von Pierre I Ballard et Robert III Ballard (1599-1673) basiert, aber erweitert ist.
Manuskripte, sortiert nach Sigel
Katalog aller bei Ballard gedruckter Vokalstücke mit Begleitung in Lauten- oder Gitarrentabulatur des 17. Jahrhunderts
Dieser Katalog wurde erstellt, um die Behauptung zu widerlegen, wonach die in gewöhnlicher Notation geschriebene Gesangsstimme darüber bestimmt, mit welcher Laute das Stück begleitet werde (z.B. Lauten mit einer Chanterelle in a', b', h' etc., welche der Chanterelle entsprechend mensuriert und ergo unterschiedlich gross sein müssten).
Laurent Guillo war so freundlich, seine für das in Fussnote 2 erwähnte Buch Pierre I Ballard et Robert III Ballard. Imprimeurs de roy pour la musique (1599-1673) erstellten Dateien zu den entsprechenden Quellen zur Verfügung zu stellen (GuilloB). Entsprechend wird bei den Stücktiteln die leicht normalisierte Schreibweise aus Guillos Katalog verwendet. Die Kopfzeilen und die Rubriken aus den Inhaltsverzeichnissen sind getreu aus dem Original übernommen (inkl. Schriftschnitt). An dieser Stelle sei Laurent Guillo nochmals herzlich für seine Unterstützung gedankt!
In zukünftigen Untersuchungen sollen dann noch die spieltechnischen Zeichen und die Zuteilung der Bass-Typen zu Tönen erfasst werden.
Die jetzige Untersuchung aller 1016 Stücke ergab, dass Lauten in a', b' h', c", d', es' e' f' fis' und g' hätten zur Verfügung stehen müssen (und Gitarren in d', e' und g'). Dies ist natürlich Unsinn.
Vielmehr ist der Startton der Stimme, der in der Tabulatur mit einem Greifort angegeben ist, der Ton, den der Sänger / die Sängerin abnehmen muss. Ergo bestimmt die Grösse des verwendeten Instruments über die Frequenz des Anfangstones der Stimme – und da wir die damals verwendete Grösse nicht genau kennen und diese auch je nach Aufführung variieren konnte (man nahm das Instrument, die man gerade zur Hand hatte), sollten alle Übertragungen von einer einheitlichen Tonhöhe der Laute bzw. Gitarre ausgehen.
Hier sind drei Dateien aus meiner Datenbank hinterlegt:
- das PDF mit allen 1016 Stücken (Airs de cour und Psalmen)
- das PDF mit der Liste mit den Sigla nach GuilloB (links) und den Airs de cour-Sammlungen (rechts: AdC = Airs de cour, dahinter die Nummerierung von Ballard und allenfalls die im Titel genannte Person bzw. Person und ev. Nummerierung bei Moulinié), danach Stück-Nummer nach GuilloB, Titel normalisiert nach GuilloB, Fol., Vorzeichen in der gewöhnlichen Notation, Startton-Angabe (Zahl = Chor, Buchstabe = Bund: a = leerer Chor, b = 1. Bund, c = 2. Bund etc.), Startton der Singstimme, "Laute" zeigt die resultierende Chanterelle (1. Chor) der Laute an, wenn die gewöhnliche Notation der Tabulatur übergeordnet wäre (was eben Unsinn ist), "8va" zeigt an, ob zwischen Startton des Gesangs und der Laute ein Unisono (=) entsteht oder ob die Singstimme eine Oktave höher (h) oder tiefer (t) singen muss. In "Gitarre" werden die 12 Airs auf gleiche Art behandelt, wobei dann Gitarren in drei Grössen benötigt würden: in d', in e' und g'. Es gibt einige Airs, die als eigene Titel verzeichnet sind, aber Fortsetzung eines Airs darstellen und keine Startton-Angabe haben. Diese haben die Vorzeichen-Angabe, aber nur einen Querstrich in der Spalte Tabulatur und ergo keine weiteren Angaben.
- ein PDF mit der Auswertung der Datenbank, wobei in der Datenbank der Greifort der Tabulatur dem Startton des Gesangs untergeordnet wurde und somit die vermeintliche Stimmung der Laute festegetsellt wurde. In den Diagrammen wird gezeigt, bei welcher Laute bzw. Gitarre (in welchem vermeintlichen Stimmton) auf welchen Greifort auf dem Griffbrett verwiesen wird.
Daniel Russo-Batterham hat freundlicherweise die XML-Dateien zu allen 16 Büchern aus der Ballard-Reihe mit nummerierten Airs de cour-Editionen zugänglich gemacht, die er im Rahmen seiner Dissertation "Codes of Expression in French Lute Song (1608–1643)" von 2017 publiziert hat: Russo-Batterham, Daniel. Codes of Expression in French Lute Song (1608–1643): MusicXML Data. 2023, https://doi.org/10.26188/22678741.
Seine darin enthaltenen Übertragungen orientieren sich an den Starttönen der Gesangsstimme – die Grundannahme, die durch meine Untersuchung widerlegt ist.
Um das Finden der entsprechenden Nummern innerhalb der Sammlungen zu vereinfachen, hinterlege ich hier eine entsprechende Konkordanzenliste.
[1] Die Datenbasis wurde dem folgenden Katalog entnommen, aber dem jüngeren System von Laurent Guillo angepasst: François Lesure & Geneviève Thibault: Bibliographie des éditions d'Adrian Le Roy et Robert Ballard (1551-1598), Paris 1955.
[2] Laurent Guillo: Pierre I Ballard et Robert III Ballard. Imprimeurs de roy pour la musique (1599-1673), 2 vol., Sprimont : Mardaga 2003.
[3] Laurent Guillo: Les éditions musicales de la renaissance lyonnaise, Paris 1991.
[4] Jean-Michel Noailly, Bettye Thomas Chambers & Jean-Daniel Candaux: Bibliographie des psaumes imprimés en vers français 1521-1900, 4 vol., Genève 2022.