Accords nouveaux

François-Pierre Goy & Andreas Schlegel

Die Familie Reusner sticht mit eiigen Familienmitgliedern hervor, so u.a. mit

  • dem Historiker Elias Reusner (1555-1612),
  • dem Rechtswissenschaftler Nikolaus von Reusner (1545-1602),
  • dem Lautenisten Esaias Reusner dem Älteren (* im 1. Viertel des 17. Jahrhunderts, vermutlich in Schlesien; † zwischen 1660 und 1680 in Schlesien)
  • und dessen Sohn Esaias Reusner der Jüngere (1636-1679).

Von Esaias Reusner d.Ä. haben wir ein wichtiges Zeugnis für den Gebrauch der 11-chörigen Laute im Vieil ton, nämlich den Musicalischer Lust-Garten, das ist Herren D. Martini Lutheri, wie auch anderer gottseliger (der Reinen Augspurgischen Confession zugethaner) Männer geistliche Kirchen- und Hauss-Lieder (Breslau 1645). Die Abbildung zeigt einen möglicherweise kleinwüchsigen Mann mit einem auf ungewöhnliche Weise theorbierten Instrument. Der gewählte Choral zeigt die Verwendung aller 11 Chöre im Vieil ton. 11-chörige Lauten im Vieil ton tauchen auch in weiteren Quellen auf, so z.B. im Rodauer Lautenbuch, das im Zeitraum von 1644 bis mindestens 1651 geschrieben wurde.
Die alphabetische Liste der Choräle ist hier zu finden.

Reusner 1645 Laute 11 ch

Esaias der Jüngere hat nicht nur Lautenmusik (im Gegensatz zu seinem Vater für die 11-chörige Laute im Nouvel accord ordinaire – oft irreführend d-Moll-Stimmung genannt), sondern auch Musik für Ensembles geschrieben:

  • Delitiae testudinis oder Erfreuliche Lautenlust, ohne Ortsangabe 1667, Nachdruck Breslau 1668; Neudruck Leipzig 1697
  • Musikalische Taffel-Erlustigung […] auf die Laute gesetzt […], in 4 Stimmen gebracht, also das dieselben nach frantzösischer Art auf Violen füglich können gebraucht werden (Bearbeitung für Violen und Basso continuo von Johann Georg Stanley), Brieg 1668
  • Musicalische Gesellschafts Ergetzung, Orchestersuite für Violine, 2 Violen und Basso continuo, Brieg 1670
  • Musicalischer Blumenstrauss, Bremen 1673, gilt als verschollen
  • Neue Lauten-Früchte, Berlin 1676
  • Hundert Geistliche Melodien Evangelischer Lieder, Berlin 1678

Interessant ist der Vergleich der Vorworte aus Neue Lauten-Früchte, o.O. 1676 und Erfreuliche Lauten-Lust, Nachdruck Leipzig 1697, der mit diesem Link erreichbar ist.

Ebenfalls spannend ist die Druckgeschichte seiner Delitiae testudinis bzw. Erfreuliche Lauten-Lust sowie die spezielle Ausstattung des Wiener Exemplars. Darüber hat Bernhard Fischer in Die Laute (Jahrbuch der Deutschen Laiutengesellschaft) Nr. XI, S. 92-106, unter dem Titel "Die Besonderheiten der Neue Lauten-Früchte und Hundert Geistliche Melodien Evangelischer Lieder von Esaias Reusner in der Österreichischen Nationalbibliothek" berichtet.